Asthetik-Diskussion. Was ist ein gutes bild?
Die uralte Frage und die neuesten Antworten. In Photographie sagen Experten ihre Meinung. Der Foto- und Web-Kunstler Oliver Sieber uber Inhalte und Forman, die Denkanstosse geben:
Fur mich ist ein Bild ein Gedanke, der auf visuelle Art und Weise laut gedacht ist. Wichtig ist dabei immer die Motivation, aus der heraus ein Bild entsteht, aber auch das, was es jedem einzelnen Betrachter als Projektionsflache bietet.
Ein gutes Bild, das als ,,visueller Gedanke" ebenso interessant ist wie als Projektionsflache fur den Betrachter, ist die Arbeit von Miles Collyer. Das Motiv stammt aus der Serie I ,,TrackTop Masks". Der junge Fotograf - Jahrgang 1983 - stammt aus Toronto, wo er gerade sein Studium am Ontario College of Art & Design abgeschlossen hat. Ich habe Miles in Toronto bei Art Metropole kennen gelernt, einem tollen Ort fur Fotografie- und Kunstlerbucher.
An Collyers Foto interessieren mich die Frage nach der maskierten Selbstdarstellung, aber auch das Thema der jugendlichen Identitatsbildung und -findung und die Spannung zwischen der uniformierten Maskierung und die Entwicklung I einer formal neuen, eigenstandigen Figur durch eben diese Maskierung.
Fur seine Fotoserie hat Miles mittlerweile mehr als 300 P Masken und uber 4o Trainingsjacken gesammelt. Um an die Kleidungsstucke heranzukommen, hat er auf Flohmarkten gestobert und in Gebrauchtkleiderfabriken gejobbt. Einen Anstoss zu dieser Serie lieferten Assoziationen zu Superhelden, dabei interessierte Miles aber vor allem die formale Struktur der Kleidungsstucke und nicht der Zusammenhang zu Terrorismus oder Verbrechen, an den viele bei Menschen bei solchen Accessoires denken. Diesen formalen Ansatz sieht man den Fotografien auch an.
Collyers Maskenfotos sind immer Selbstportrats. Doch dass er selber hinter den Masken steckt, hat fur ihn eigentlich keine Bedeutung. Miles selber meint: ,,Wenn du eine Maske uberziehst, bist du nicht mehr du selber; du reprasentierst dich nicht mehr. Und je nachhem, wie du eine Maske benutzt, kannst du werden, was immer du willst. Die Maske eliminiert deine Personlichkeit; es entwickelt sich eine ganz eigene Personlichkeit. Es ist nicht mehr wichtig, wer hinter der Maske steckt. Es ist rein visuell. Es geht um diese Person und wie sie sich mit den Mitteln der Maske und der Jacke ausschmuckt Ich bin das Subjekt auf diesen Fotos - aber die Bilder handeln nicht von mir. Ich versuche kein Selbstportrat von mir zu machen. Ich bin nur das Vehikel. Es gebt nur um die Masken und dieJacken." Dennoch finde ich gerade diesen Aspekt der Selbstbarstellung interessant, denn die maskierten Selbstportrats laden mich dazu ein, uber Identitat und Identitatsbildung nachzudenken.
Oliver Sieber, Jahrgang 1966, studierte an der FH Bielefeld und lebt und fotografiert heute in Dusseldorf. Im Zentrum seiner seriellen Fotoarbeiten stehen Menschen, ihre Ausdruckformen und die Frage nach ihrer Identitat. Bekanut wurde Sieber vor allem mit der umfangreichen Serie ,,SkinsModsTeds". Seine neue Bilderserie ,,Die Blinden" wird im Sommer (Termin) im Leopold-Hosche-Museum in Duren zu sehen sein. Seit 1999 arbeitet Oliver Sieber zusammen mit der Fotografin Katja Stuke an dem ti Projekt ,,Frau Bohm" - eine Art Fanzine, in dem beide Fotografen ihre Arbeiten diskutieren und in limitierter
Auflage veroffentlichen. Seit 2005 wird diese Publikation durch einen virtuellen Ausstellungsraum im Internet erganzt, wo auch regelmassig Arbeiten von Gastkunstlern zu sehen sind. Wahrend eines Stipendiums in Osaka zu Beginn diesen Jahres haben Sieber und Stuke ausserdem ein Weblog gestartet, in der visuelle Assoziationsketten entstehen.
Mission:
,,Ich zeige Menschen - unmittelbar und ohne Posing."
Info: http://blog.frau-boehm.de, www.frau-bohm.de